Chronik
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1920

Programm der NSDAP auf erster großer Parteiversammlung

Das Parteiprogramm der NSDAP wird am 24. Februar 1920 von Adolf Hitler auf der ersten großen Parteiversammlung in München verkündet. Die Partei war am 5.1.1919 von Anton Drexler und Karl Harrer in München als Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründet worden. Am 24.2.1920 wird sie in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umgetauft. Adolf Hitler war der Partei im September 1919 beigetreten und bald ihr Propagandachef geworden. Schon zwei Jahre später hatte man ihn zum Parteivorsitzenden mit umfangreichen Vollmachten gewählt. Seitdem galt in der Partei das Führerprinzip und Mehrheitsbeschlüsse wurden abgeschafft. Bereits das Parteiprogramm vom 24.2.1920 zeigt stark antiliberale, antikapitalistische, imperialistische und antisemitische Züge. Maßgebend für Ideologie und Politik der NSDAP sind besonders die ersten vier Punkte des Parteiprogramms:

  1. Die Schaffung eines Großdeutschlands, in dem alle Deutschen zusammengefasst sein sollen
  2. Die Revision des Versailler Vertrags
  3. Die Forderung nach Kolonien für Deutschland
  4. Die Entfernung aller Juden aus Deutschland

Das Hakenkreuz ist ab 1920 das Symbol der Partei und der „Völkische Beobachter“ das zentrale Parteiorgan.

1921

Gründung der SA

Die Sturmabteilung (SA) wird zunächst als Saalschutzgruppe gegründet, bald jedoch unter der Leitung von Ernst Röhm in eine paramilitärische Kampfgruppe umgewandelt.

1922

Verbot der NSDAP in Ländern

In Preußen sowie in einigen anderen Länder wird die NSDAP aufgrund ihrer Radikalität und des SA-Terrors verboten.

1923

„Hitler-Putsch“

„Hitler-Putsch“ in München. Regierungstruppen schlagen ihn mit Waffengewalt nieder. Die NSDAP wird am folgenden Tag verboten. Hitler flieht und wird zwei Tage später im bayrischen Uffing verhaftet.

1924

Vorzeitige Haftentlassung Hitlers

Hitler wird vorzeitig aus der Festung Landsberg entlassen, in der der erste Band seiner Schrift „Mein Kampf“ entstanden war.

Anklage Hitlers wegen Hochverrats

Hitler wird zusammen mit Ernst Röhm, General Erich Ludendorff u.a. vor dem Münchener Volksgericht des Hochverrats angeklagt. Die Prozessverhandlungen benutzt Hitler als Forum für antirepublikanische Agitation. Er wird zu fünfjähriger Festungshaft verurteilt.

1925

„Mein Kampf“

Band 1 von Hitlers „Mein Kampf“ wird veröffentlicht.

Verbot der NSDAP wird aufgehoben

Das Verbot der NSDAP wird aufgehoben. Neugründung der Partei und Wiederaufbau der SA. Die Schutzstaffel (SS) entsteht zunächst zum persönlichen Schutz Hitlers als Unterorganisation der SA.

1926

Gründung HJ

Gründung der Hitlerjugend (HJ) als Jugendorganisation der NSDAP. Die Geschichte der HJ hatte bereits 1922 mit der Gründung des Jugendbundes der NSDAP in München begonnen.

Gründung NSDAV

Gründung des Nationalsozialistischen Deutschen Arbeitervereins (Hitlerbewegung) in Wien.

1927
1928

Weltwirtschaftskrise

Weltwirtschaftskrise, 1,9 Millionen Arbeitslose.

1929

„Schwarzer Freitag“ an der Wall Street

„Schwarzer Freitag“ an der Wall Street, Zusammenbruch der New Yorker Börse.

1930

Über 3 Millionen Arbeitslose

Über 3 Millionen Arbeitslose, über 1 Million Kurzarbeiter.

Mehr als 18 Prozent für NSDAP bei Reichstagswahlen

Die NSDAP erreicht bei den Reichstagswahlen in Deutschland mehr als 18 Prozent der Stimmen. Gründung des BDM, des „Bundes Deutscher Mädel“. An seiner Spitze steht die „Reichsreferentin“, die der Reichsjugendführung unterstellt ist.

1931

Gründung der NS-Frauenschaft (NSF)

Gründung der NS-Frauenschaft (NSF), der Frauenorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie war als Zusammenschluss mehrerer nationaler und nationalsozialistischer Frauenverbände entstanden.

1932

Franz von Papen reicht Rücktritt ein

Bei den Reichstagswahlen erreicht die NSDAP knapp 33,1 Prozent. Trotz leichter Verluste bleibt die NSDAP stärkste Partei. Da alle Parteien im Reichstag – mit Ausnahme der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) – der im Juni eingesetzten Regierung unter Franz von Papen weiterhin die Unterstützung verweigern, reicht der Kanzler bei Reichspräsident Paul von Hindenburg schließlich seinen Rücktritt ein.

Von Hindenburg setzt Kurt von Schleicher als Regierungschef ein, Gespräch mit Hitler

An die Stelle Franz von Papens setzt Reichspräsident Paul von Hindenburg den bisherigen Reichswehrminister Kurt von Schleicher in das Amt des Regierungschefs ein. Daraufhin folgt ein weiteres Gespräch zwischen dem Reichspräsidenten und Adolf Hitler (NSDAP) über eine Regierungsbildung unter Beteiligung der Nationalsozialisten. Hitler fordert im Fall seiner Berufung zum Reichskanzler weitreichende Vollmachten (Ermächtigungsgesetz). Dazu ist Hindenburg nach wie vor nicht bereit.

Mehr als 37 Prozent der Stimmen für NSDAP bei Reichstagswahlen

Bei den Reichstagswahlen gewinnt die NSDAP mehr als 37 Prozent der Stimmen. Über 6 Millionen Arbeitslose (Arbeitslosenquote ca. 30 Prozent).

1933

Nationalsozialistische Machtergreifung in Deutschland

Nationalsozialistische Machtergreifung in Deutschland. Hitler wird zum deutschen Reichskanzler ernannt. Neben Hitler werden zwei weitere Nationalsozialisten in die Regierung berufen: Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne besonderen Geschäftsbereich. Die neue Regierung setzt vorerst die Praxis eines ohne jegliche parlamentarische Kontrolle amtierenden Präsidialkabinetts fort.

Ausschaltung von jüdischen Redakteuren

Schriftleiter-Gesetz: Ausschaltung der jüdischen Redakteure.

Hitler kündigt die Auflösung des Reichstages und Neuwahlen an

Hitler gibt bekannt, dass Deutschland die Genfer Abrüstungskonferenz verlässt und aus dem Völkerbund austritt. Er kündigt die Auflösung des Reichstages und Neuwahlen für den 12. November 1933 an. Auf den Wahlzetteln wird nur die NSDAP stehen. Zugleich werden alle Landtage aufgelöst, ohne dass Neuwahlen stattfinden sollen.

„Kraft durch Freude“

Gründung der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“.

Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat

Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat.

Auflösung des Parlaments und Neuwahlen

Notverordnung zur Auflösung des Parlaments und Abhaltung von Neuwahlen.

„Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes“

Hindenburg erlässt die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes“, die die Grundlage zu weitreichenden Eingriffen in die Versammlungs- und Pressefreiheit liefert.

Ausweisung von „Ostjuden“

Die bestehenden Anordnungen an die Polizei, von der Ausweisung von schon lange in Deutschland lebenden, ausländischen oder staatenlosen „Ostjuden“ abzusehen, werden aufgehoben.

Zahlreiche Zeitungsverbote

Zahlreiche – zunächst befristete – Zeitungsverbote gegen kommunistische und sozialdemokratische Blätter.

Reichstagsbrand

Reichstagsbrand. Noch in der Nacht beginnen Massenverhaftungen, in erster Linie von Politikern und Mitgliedern der KPD.

Reichspräsident von Hindenburg unterzeichnet „Notverordnung“

Ausrufung des Ausnahmezustandes. Reichspräsident Paul von Hindenburg unterzeichnet eine „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“. Durch diese Notverordnung werden zahlreiche Verfassungsartikel außer Kraft gesetzt, die grundlegende persönliche und politische Rechte garantiert hatten. Sie gibt den Nationalsozialisten weitreichende Mittel zur Verfolgung ihrer politischen Gegner an die Hand. Eine vornehmlich gegen Kommunisten und Juden gerichtete Verhaftungswelle setzt ein. Einer der Verhafteten ist Carl von Ossietzky, einer der bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Er wird von der Gestapo festgenommen und gefoltert.

Reichstagswahl mit Stimmenzuwachs der NSDAP

Reichstagswahl unter den Bedingungen weitgehender Entrechtung und Ausschaltung der Arbeiterparteien sowie eines Propagandamonopols der extremen Rechten. Die NSDAP verfehlt mit 288 von 647 Mandaten (44,1%) die absolute Mehrheit; zusammen mit ihren rechtskonservativen und nationalistischen Koalitionspartnern verfügt sie über 341 Mandate. Der Stimmenzuwachs der NSDAP beträgt 5,5 Mio.

„Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“

Einrichtung eines „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“. Zuständiger Minister wird Joseph Goebbels.

Anweisungen an Länderregierungen zu „Ostjuden“

Das Reichsinnenministerium weist die Länderregierungen an:

  • Die Zuwanderung sogenannter „Ostjuden“ abzuwehren
  • „Ostjuden“, die sich ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland befinden, zu entfernen
  • „Ostjuden“ nicht mehr einzubürgern

Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetzes“: Aufhebung der Gewaltenteilung

Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetzes“ durch den Reichstag, mit einer erdrückenden Mehrheit von 441 Ja- gegen 94 Nein-Stimmen angenommen. Hitler nutzt es zur pseudolegalen Errichtung der Diktatur. Das „Ermächtigungsgesetz“ macht den Reichstag überflüssig und legt sowohl Legislative als auch Exekutive in die Hand der Regierung. Die Gewaltenteilung der Weimarer Verfassung ist damit aufgehoben.

Todesstrafe

Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstrafe.

Vorläufiges Gesetz zur „Gleichschaltung“ der Länderparlamente

Erlass des vorläufigen Gesetzes zur „Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“. Die Länderparlamente werden gezwungen, sich selbst aufzulösen und nach den Ergebnissen der letzten Reichstagswahlen neu zu konstituieren. Sie werden „gleichgeschaltet“.

Eintägiger Boykott jüdischer Geschäfte

Eintägiger Boykott jüdischer Geschäfte in ganz Deutschland. Diese Aktion richtet sich auch gegen jüdische Ärzte und Rechtsanwälte sowie gegen den Besuch von Schulen und Universitäten durch Jüdinnen und Juden.

Entfernung von jüdischen Beamten aus Staatsdienst, Gleichschaltung der Länder

„Reichsgesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Viele jüdische Beamte werden aus dem Staatsdienst entfernt, geschont werden zunächst noch diejenigen, die im ersten Weltkrieg als Frontkämpfer für Deutschland gekämpft hatten.

Erlass des „Zweiten Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“, des sogenannten „Reichsstatthaltergesetzes“. An die Stelle der parlamentarischen Ministerpräsidenten treten „Reichsstatthalter“, die für die Durchführung der „vom Reichskanzler aufgestellten Richtlinien der Politik“ sorgen sollen.

1. Mai „Feiertag der Nationalen Arbeit“

Erklärung des 1. Mai zum „Feiertag der Nationalen Arbeit“.

Himmler ordnet Errichtung des KZ Dachau an

Himmler ordnet als kommissarischer Polizeipräsident von München die Errichtung des KZ Dachau an, in dem 5.000 Gefangene untergebracht werden sollen. Zunächst werden dort in erster Linie Mitglieder und Funktionäre der Arbeiterparteien eingesperrt und schwer misshandelt.

Bildung von Sondergerichten

Bildung von Sondergerichten.

Zerschlagung der freien Gewerkschaften

Zerschlagung der freien Gewerkschaften. Gewerkschaftshäuser werden von SA und NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) besetzt. Das Vermögen der Gewerkschaften wird beschlagnahmt, führende Funktionäre werden in „Schutzhaft“ genommen.

Bücherverbrennung

Öffentliche Bücherverbrennungen in ganz Deutschland. Dies betrifft bspw. Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Heinrich Mann, Karl Marx, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Arnold und Stefan Zweig.Gründung der Deutschen Arbeitsfront.

Verbot der SPD

Verbot der SPD. Die bürgerlichen Parteien lösen sich im Lauf der folgenden Wochen selbst auf.

Gesetze gegen Neubildung von Parteien und zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“

Mit dem „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ wird die Monopolstellung der NSDAP zementiert. Gesetz zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses.“

Gründung des Pfarrernotbundes

Gründung des Pfarrernotbundes, aus dem später die bekennende Kirche hervorging.

Ausschaltung von jüdischen Schriftstellern und Künstlern

Reichskulturkammer-Gesetz: Ausschaltung der jüdischen Schriftsteller und Künstler.

1934

Gesetz über den Neuaufbau des Reiches

Das „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ beseitigt endgültig die Länderparlamente.

Errichtung des Volksgerichtshofes

Errichtung des Volksgerichtshofes.

1. Mai als „Nationaler Feiertag des deutschen Volkes“

Ab 1934 „Nationaler Feiertag des deutschen Volkes“. Mit der Umbenennung berufen sich die Nationalsozialisten auf vorgeblich germanisches Brauchtum. Der 1. Mai galt ihnen als „den ewigen Lebenskreislauf bejahender“ Festtag zum Frühlingsbeginn.

„Röhmputsch“

Röhm und weitere Mitglieder der SA werden in Bad Wiessee verhaftet („Röhmputsch“). Ernst Röhm wird am 1. Juli 1934 erschossen.

Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß

Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß (Christlich-Soziale Partei) durch Nationalsozialisten, die sich als Soldaten und Polizisten verkleidet Zugang zum Gebäude verschafft haben. Der versuchte Putsch der österreichischen Nationalsozialisten kann jedoch niedergeschlagen werden. Neuer Bundeskanzler wird der bisherige Unterrichtsminister Kurt Schuschnigg (Christlich-Soziale Partei).

Tod des deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg

Tod des deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Hitler nutzt Hindenburgs Tod, um das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers zu vereinen. Er lehnt jedoch die auf demokratische Verhältnisse verweisende Bezeichnung „Reichspräsident“ ab und nennt sich „Führer und Reichskanzler“.

1935

Schilder mit Aufschriften „Juden unerwünscht“

Schilder mit Aufschriften „Juden unerwünscht“ werden vermehrt angebracht, zum Beispiel an Geschäften und Restaurants.

Gesetzesverordnungen gegen Juden

1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Aberkennung des Wahlrechts und der öffentlichen Ämter; Entlassung aller jüdischen Beamten. Definition „des Juden“.

1. Verordnung zum Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre: Verbot der Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden. Die Arbeitsmöglichkeiten werden auf ganz wenige Berufszweige eingeengt. Jüdische Kinder dürfen bald mit anderen Kindern nicht mehr denselben Sportplatz oder die Umkleidekabinen benutzen.

Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches

Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches.

Einführung der allgemeinen Wehrpflicht

Deutschland hebt die Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages auf. Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.

Premiere des Films „Triumph des Willens“

Premiere des Films „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl über den Reichsparteitag von 1934 in Nürnberg.

Einführung der Pflicht zum Reichsarbeitsdienst (RAD)

Einführung der Pflicht zum Reichsarbeitsdienst (RAD).

Einrichtung von „Judenschulen“

Erlass des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Angeordnet werden Erhebungen über die sogenannte „Rassezugehörigkeit“ an allen Schulen, mit dem Ziel, an Ostern 1936 an allen Orten mit mindestens 20 jüdischen Volksschülern sogenannte „Judenschulen“ einzurichten.

„Nürnberger Gesetze“

Reichsparteitag der NSDAP. Auf einer Sondersitzung beschließt der Reichstag die „Nürnberger Gesetze“: Juden wird die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen, Eheschließung und außerehelicher Verkehr mit Deutschen wird verboten.

Diese Gesetze gelten auch für Sinti und Roma. Die Nürnberger Gesetze umfassen das „Reichsbürgergesetz“ und das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ sowie das „Reichsflaggengesetz“.

1936

Ausdehnung von Gestapo-Befugnissen und Antikominternpakt

Ausdehnung der Befugnisse der Gestapo Preußens auf ganz Deutschland. Antikominternpakt zwischen dem Deutschen Reich und Japan.

Achse Berlin-Rom

Die Achse Berlin-Rom, das Bündnis des nationalsozialistischen Deutschland und des faschistischen Italien, wird begründet. In Berlin wird ein Freundschaftsvertrag zwischen beiden Ländern unterzeichnet.

Carl von Ossietzky erhält den Friedensnobelpreis

Carl von Ossietzky erhält den Friedensnobelpreis rückwirkend für das Jahr 1935. Die Annahme des Nobelpreises und des Preisgeldes wird ihm zwar erlaubt, nicht aber die Entgegennahme des Preises in Oslo. Die Preisverleihung findet ohne Ossietzky statt. Adolf Hitler verfügt anschließend, dass kein Deutscher mehr einen Nobelpreis annehmen dürfe.

Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Japan

Der erste politische Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Japan wird in Berlin vom japanischen Sonderbotschafter Vicomte Mushanokōji Kintomo und Joachim von Ribbentrop für die Dauer von fünf Jahren unterzeichnet.

Hitlerjugend (HJ) wird Staatsjugend

Die Hitlerjugend (HJ) wird Staatsjugend, alle anderen Jugendverbände sind damit endgültig aufgelöst.

Olympische Winterspiele

Olympische Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen. Es wird dafür gesorgt, dass alle öffentlichen Signale des Antisemitismus aus dem Straßenbild verschwinden: Die „Juden unerwünscht“-Schilder an Restaurants und Hotels oder die Tafeln, die dem Vorbeifahrenden ein „judenfreies Dorf“ anzeigten. Die Presse war strikt angewiesen worden, in nächster Zeit keine Meldungen über Zusammenstöße mit Ausländern oder über Angriffe auf Juden zu bringen.

Einlieferung von Carl von Ossietzky in Staatskrankenhaus der Polizei

Mit einer schweren Tuberkulose wird Carl von Ossietzky in das Staatskrankenhaus der Polizei in Berlin eingeliefert, wo er weiterhin unter Bewachung steht. Von 1934 bis Mai 1936 war er im KZ Papenburg inhaftiert gewesen wo er infolge der Haftbedingungen an Tuberkulose erkrankt war.

Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“

Der Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ wird vom Reichsinnenminister Frick unterzeichnet.

Erster Transport von Sinti und Roma ins KZ Dachau

Erster Transport von 400 Sinti und Roma aus Bayern ins KZ Dachau. Sinti- und Romakinder werden in den Schulen offen diskriminiert.

Die Rassehygienische Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes nimmt ihre Arbeit, die „Erfassung und Untersuchung von Zigeunern“ auf. Dieses Vorgehen wird mit „kriminalpräventiven“ und „rassehygienischen“ Notwendigkeiten begründet.

Über 600 Sinti und Roma in „Zigeuner-Lager“

Über 600 Sinti und Roma werden von ihren Stellplätzen vertrieben und in das „Zigeuner-Lager“ Berlin-Marzahn gebracht.

Bürgerkrieg in Spanien

Der Bürgerkrieg in Spanien beginnt.

Entscheidung für Unterstützung von Franco in Spanien

Hitler entscheidet nach einer improvisierten Besprechung mit Göring und von Blomberg, Franco zu unterstützen und damit auch zum Bündnispartner Italiens zu werden.

Olympische Spiele in Berlin

Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin. Viele der mittlerweile zahlreich angebrachten antisemitischen Schilder werden vorübergehend entfernt. Wie schon bei den Winterspielen im Februar wird die Presse angewiesen, ihre Berichterstattung dem internationalen Ereignis anzupassen.

1937

„Arisierung“ der Wirtschaft, „Rassegutachten“, Italien tritt Antikomintern-Pakt bei

Beginn der im nationalsozialistischen Sprachgebrauch sogenannten „Arisierung“ der Wirtschaft. Die jüdischen Inhaberinnen und Inhaber werden ohne gesetzliche Grundlage gezwungen, ihr Unternehmen meist erheblich unter Wert zu verkaufen.

Sinti und Roma werden aufgrund von sogenannten „Rassegutachten“ aus den Handwerksinnungen und Berufsverbänden ausgeschlossen.

Italien tritt aus dem Völkerbund aus und dem Antikomintern-Pakt zwischen Deutschland und Japan bei.

120.000 Juden emigriert

Seit 1933 sind mehr als 120.000 Juden emigriert.

Sinti und Roma werden mit „Asozialen“ gleichgestellt

Nach dem „Grundlegenden Erlass über die vorbeugende Verbrechensbekämpfung durch die Polizei“ müssen Sinti und Roma den Wohnsitz mit Adresse nachweisen. Sie dürfen nicht mehr postlagernd schreiben. Auch Hunde- und Katzenhaltung wird ihnen verboten. Im Gesetz werden sie mit sogenannten „Asozialen“ gleichgestellt.

Inbetriebnahme KZ Buchenwald

Inbetriebnahme des KZ Buchenwald.

Ausstellung „Entartete Kunst“ in München

Die Ausstellung „Entartete Kunst“ wird im Auftrag von Reichspropagandaminister Goebbels in München eröffnet. Zu den verfemten Künstlern gehören u.a. Max Beckmann, Ernst Barlach, Marc Chagall, Max Ernst, George Grosz, John Heartfield, Paul Klee, Elfriede Lohse-Wächtler, Max Liebermann und Wassily Kandinsky.

1938

Erlass gegen „Arbeitsscheue“

Erlass gegen sogenannte „Arbeitsscheue“.

Besetzung des „Sudetenlandes“

Besetzung des „Sudetenlandes“ durch die Deutsche Wehrmacht.

Einziehen der Reisepässe von Juden

Verordnung über Reisepässe: Einziehung der Pässe von Juden und (erschwerte) Neuausgabe mit Kennzeichnung „J“.

Abschiebung von 15–17.000 Juden

Verhaftung und Abschiebung von 15.000 bis 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit nach Polen.

Grynszpan erschießt deutschen Diplomaten von Rath

Der 17jährige Herschel Grynszpan erschießt in Paris den deutschen Diplomaten von Rath.

Reichskristallnacht

Pogrome in Deutschland und Österreich (sogenannte „Reichskristallnacht“): Staatlich organisierte Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und Einrichtungen. Zerstörung und Verwüstung von jüdischen Geschäften, Wohnungen und Synagogen unter Beteiligung von Teilen der deutschen Bevölkerung.

Verhaftung von ca. 30.000 Juden, die in die KZs Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen deportiert werden.

Die Verluste an Menschenleben und das Ausmaß der Sachschäden wurden lange Zeit unkritisch aus Eigenangaben der NSDAP übernommen. So listete etwa „Die Zeit“ noch am 3. November 1978 nur die 91 Morde und 267 zerstörten Synagogen auf, die ein Brief Heydrichs an Göring vom 11. November 1938 aufgeführt hatte. Die tatsächlichen Zahlen werden heute aufgrund vieler Dokumente auf ein Vielfaches davon geschätzt. Es wird von mindestens 400 Todesopfern allein in der Pogromnacht ausgegangen. Darin sind Selbsttötungen und schwere Körperverletzungen mit Todesfolge enthalten. Mehr als 1000 Synagogen und Betstuben werden zerstört.

Verordnungen gegen Juden

Verordnung über die „Sühneleistung“ der deutschen Juden in Höhe von einer Milliarde Reichsmark. Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben: Juden haben alle während des Novemberpogroms entstandenen Schäden selbst zu zahlen. Verbot des Besuches von Theatern, Kinos, Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen für Jüdinnen und Juden.

Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Juden

Polizeiverordnung über das Auftreten der Juden in der Öffentlichkeit und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Gesetz zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“

Das Gesetz zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ mit eindeutig rassistischem Charakter wird verabschiedet. Anhand von Stammbäumen werden die Sinti und Roma in „rasserein“ und „Mischlinge“ klassifiziert. In Österreich beginnt die Verfolgung der ca. 10.000 dort lebenden Roma.

Verordnung über Einsatz des jüdischen Vermögens

In der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens wird Juden auferlegt, ihre Gewerbebetriebe zu verkaufen oder abzuwickeln, ihren Grundbesitz zu veräußern und ihre Wertpapiere bei einer Devisenbank zu hinterlegen. Außerdem dürfen sie Juwelen, Edelmetalle und Kunstgegenstände nicht mehr frei veräußern; kurz darauf wird ihnen unter Strafandrohung auferlegt, diese bis zum 31. März 1939 bei staatlichen Ankaufstellen abzuliefern.

Pflichtjahr in Land- und Hauswirtschaft

Einführung des Pflichtjahres in der Land- und Hauswirtschaft für unverheiratete Frauen unter 26 Jahren.

Einmarsch der Wehrmacht in Österreich

5 Uhr: Reichsführer SS Heinrich Himmler und Mitarbeiter treffen in Wien ein. Beginn zahlreicher Verhaftungen. 5 Uhr 30: Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich. 16 Uhr: Hitler überschreitet in Braunau am Inn die Grenze.

„Anschluss“ Österreichs

„Anschluss“ Österreichs und Beginn der Verfolgung der österreichischen Jüdinnen und Juden.

Verordnung über Anmeldung allen jüdischen Vermögens

Verordnung über die Anmeldung allen jüdischen Vermögens über 5000 Reichsmark.

Reichskriminalamt für „effektivere Verfolgung“

Das „Reichskriminalpolizeiamt zur Bekämpfung des Zigeunerwesens“ in München wird auf Befehl Himmlers in das Reichskriminalamt Berlin eingegliedert. Damit können polizeiliche Erkenntnisse sowie Daten und Ergebnisse der sogenannten „Rassenforschung“’ für eine aus nationalsozialistischer Sicht „effektivere“ Verfolgung zusammengefasst werden.

Gesetz über „Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst“

Gesetz über „Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst“.

„Vorbeugungshaft“ für männliche, arbeitsfähige Personen

Aufgrund eines von Heydrich unterschriebenen Erlasses vom 1. Juni werden aus jedem Kriminalpolizei-Leitstellenbezirk mindestens zweihundert männliche, arbeitsfähige Personen („Asoziale“) in polizeiliche „Vorbeugungshaft“ genommen. Diese Aktion zielt in der Hauptsache auf „Landstreicher, Bettler, Zigeuner und nach Zigeunerart herumziehende Personen“, die zur Arbeit gezwungen werden, z. B. zum Bau von Konzentrationslagern.

Einführung einer Kennkarte für Juden

Einführung einer Kennkarte für Juden ab 1. Januar 1939.

Streichung der Approbationen aller jüdischen Ärzte

Verordnung über die Streichung der Approbationen aller jüdischen Ärzte ab 30. September. Danach können jüdische Ärzte nur noch als „Krankenbehandler“ für Juden tätig sein.

Erzwungene Vornamen „Israel“ und „Sara“

In Deutschland müssen jüdische Männer den zusätzlichen Vornamen „Israel“, jüdische Frauen den Vornamen „Sara“ tragen. Sie mussten sich hierfür innerhalb eines Monats beim zuständigen Standesamt sowie bei der betreffenden Ortspolizeibehörde melden.

Einrichtung der „Zentralstelle für jüdische Einwanderung“

In Wien wird die „Zentralstelle für jüdische Einwanderung“ unter Adolf Eichmann eingerichtet.

Streichung der Zulassung aller jüdischen Rechtsanwälte

Verordnung über Streichung der Zulassung aller jüdischen Rechtsanwälte ab 30. November. Weitere Tätigkeiten nur in Ausnahmefällen als „jüdische Konsulenten“ für Juden.

„Münchner Abkommen“

Das mit Zustimmung Großbritanniens und Frankreichs getroffene „Münchner Abkommen“ zwingt die Tschechoslowakei das „Sudetenland“ an das Deutsche Reich abzutreten.

1939

Keine Zulassung für jüdische Ärzte und Apotheker

Verordnung über das Erlöschen der Zulassung von jüdischen Zahnärzten, Tierärzten und Apothekern.

Gründung der Reichszentrale für jüdische Auswanderung

Gründung der Reichszentrale für jüdische Auswanderung mit Zentralämtern in Wien und Prag. Forcierung des Auswanderungsdrucks auf Juden.

Hitler im Reichstag: „Vernichtung der jüdischen Rasse“

Hitler prophezeit vor dem Reichstag für den Fall eines Kriegs „die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“.

Sinti und Roma dürfen Wohnort nicht verlassen

Mit dem „Festsetzungserlass“ dürfen Sinti und Roma ihren Wohn- und Aufenthaltsort nicht mehr verlassen.

Euthanasiebefehl Hitlers

Euthanasiebefehl Hitlers, in dessen Folge mehr als 80.000 geistig Behinderte und Geisteskranke durch Giftgas ermordet werden. Erste Zwangsverpflichtungen von Polen zum Arbeitseinsatz in Deutschland.

Erste Deportationen

Erste Deportationen von Juden aus Österreich und dem „Protektorat“ nach Polen.

Errichtung des Generalgouvernements in den von den Deutschen besetzten Gebieten Polens.

Einführung des „Judensterns“

Einführung des „Judensterns“ in Wloclawek, Polen.

„Rasseausweise“ für Sinti und Roma

Sinti und Roma erhalten besondere „Rasseausweise“, gleichzeitig werden ihre deutschen Pässe eingezogen. Auch ihre Arbeitsbücher müssen eigens mit einem „Z“ gekennzeichnet werden. Vielerorts müssen Sinti und Roma außerdem besondere Armbinden mit der Aufschrift „Zigeuner“ tragen.

Besetzung der Tschechoslowakei

Besetzung der Tschechoslowakei durch die Deutsche Wehrmacht.

Gründung des Protektorats Böhmen und Mähren

Gründung des Protektorats Böhmen und Mähren. Einführung der im Reich geltenden antijüdischen Verordnungen.

Militärpakt Frankreichs mit Polen

Militärpakt Frankreichs mit Polen

Freundschafts- und Bündnispakt Deutschland und Italien

Freundschafts- und Bündnispakt zwischen Deutschland und Italien.

Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt, auch als Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet, wird in Moskau vom deutschen Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und dem sowjetischen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Wjatscheslaw Molotow in Anwesenheit Stalins und des deutschen Botschafters Graf von der Schulenburg unterzeichnet.

Beistandspakt Großbritannien und Polen

Beistandspakt zwischen Großbritannien und Polen.

Einführung von Lebensmittelkarten

Einführung von Lebensmittelkarten.

Hitler entfesselt den Zweiten Weltkrieg

Mit dem Überfall auf Polen entfesselt Hitler den Zweiten Weltkrieg. In Deutschland werden Ausgangsbeschränkungen für Juden eingeführt. Sie gelten im Sommer ab 21 Uhr, im Winter ab 20 Uhr.

Kriegserklärung Frankreichs und Großbritanniens

Kriegserklärung Frankreichs und Großbritanniens an das Deutsche Reich.

Erlass gegen „Volksschädlinge“

Eine Verordnung gegen sogenannte „Volksschädlinge“ wird mit großem Ermessensspielraum erlassen.

Zwangsumsiedlung von Sinti und Roma nach Polen

Auf der Konferenz des Sicherheitsdienstes wird beschlossen, alle im Großdeutschen Reich lebenden Sinti und Roma nach Polen zwangsumzusiedeln.

Rundfunkgeräte werden beschlagnahmt

Beschlagnahmung der Rundfunkgeräte von Jüdinnen und Juden.

Einrichtung des Reichssicherheitshauptamtes

Einrichtung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).

1940

Errichtung eines „jüdischen Wohnbezirks“

Befehl zur Errichtung eines „jüdischen Wohnbezirks“, d.h. des Ghettos in Warschau. Der für den Judenbezirk bestimmte Raum umfasst weniger als 4,5 Prozent der Gesamtfläche der Stadt Warschau. Über 400.000 Menschen werden dort auf engstem Raum zusammengepfercht.

Deportation der jüdischen Bevölkerung

„Aktion Bürckel“ – Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Elsass-Lothringen, Saarland und Baden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich.

Errichtung des Ghettos in Lodz

Errichtung des Ghettos für Juden in Lodz. Zwischen 1.5.1940 und 30.6.1942 sterben von den etwa 160.000 dort lebenden Juden mehr als 30.000 Menschen.

Kennzeichnung von Lebensmittelkarten für Juden

Erlass des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft: Lebensmittelkarten für Juden sollen mit dem Buchstaben „J“ gekennzeichnet werden. Juden werden vom Erwerb nicht rationierter, meist kaum erhältlicher Lebensmittel ausgeschlossen.

Besetzung Dänemarks und Norwegens

Besetzung Dänemarks und Norwegens durch die Deutsche Wehrmacht.

Ortsinspektion in Oswiecim (Auschwitz)

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Konzentrationslager inspiziert die SS eine polnische Kaserne außerhalb der Stadt Oswiecim (Auschwitz). Die einstöckigen Gebäude waren während des 1. Weltkrieges als Unterkunft für Militärpferde errichtet worden. Eine von SS-Hauptsturmführer Rudolf Höß geleitete Kommission besucht den Gebäudekomplex in Oswiecim.

Entlassungen von „Mischlingen“ aus Wehrmacht

Geheimerlass des Oberkommandos der Wehrmacht: Entlassung der „Mischlinge“ und der Ehemänner von Jüdinnen.

Himmler befiehlt KZ-Errichtung und „Umsiedlung“ von 2500 Roma

Heinrich Himmler befiehlt die Errichtung eines KZs in Oswiecim/Auschwitz. Höß wird einige Tage später zum Lagerkommandanten ernannt. Himmler befiehlt auch die „Umsiedlung“ von 2500 Roma aus den deutschen „Westgebieten“ in das besetzte Polen.

Deutscher Einmarsch in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden

Deutscher Einmarsch in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden.

Deutscher Einmarsch in Frankreich

Deutscher Einmarsch in Frankreich.

„Umsiedlung“ von Sinti und Roma

Himmlers Befehl der „Umsiedlung“ von Sinti und Roma wird umgesetzt.

Kriegseintritt Italiens auf deutscher Seite

Kriegseintritt Italiens auf deutscher Seite.

Waffenruhe zwischen Deutschland und Frankreich

Der Waffenstillstand von Compiègne wird zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich geschlossen.

Deutsche Luftangriffe auf London

Beginn der deutschen Luftangriffe auf London („Luftschlacht um England“). Die evangelische Kirche verurteilt in einer Denkschrift das von Hitler angeordnete Euthanasieprogramm.

Antisemitischer Film „Jud Süß“

In Berlin wird der antisemitische Film „Jud Süß“ in der Regie von Veit Harlan uraufgeführt. Die Hauptrollen spielen Kristina Söderbaum, Ferdinand Marian und Werner Krauss.

Dreimächtepakt

Dreimächtepakt: Italien, Deutschland und Japan verpflichten sich zu gegenseitiger Militärhilfe.

1941

Liquidierung des Ghettos von Witebsk

Unter dem Vorwand, es sei ein Seuchenherd, beginnt die Liquidierung des Ghettos von Witebsk (Weißrußland). Bei dem dreitägigen Massaker werden mehr als 16.000 Menschen erschossen.

Massaker in Dnjepropetrowsk

Massaker in Dnjepropetrowsk (Ukraine): Die deutsche Militärverwaltung fordert von den Juden der Stadt Dnjepropetrowsk eine „Kontribution“ von 30 Millionen Rubel. Am 13. Oktober, noch bevor die Summe eingesammelt ist, beginnt das Einsatzkommando 6 der Einsatzgruppe C, die Juden in einem improvisierten Lager zusammenzutreiben. Von dort werden sie in Gruppen weggebracht und in einer nahegelegenen Schlucht erschossen. Insgesamt werden 15.000 Menschen ermordet; später noch einmal 5.000.

Deportationen jüdischer Bürger

Beginn der Deportationen jüdischer Bürger aus dem Deutschen Reich.

Emigrationsverbot für Juden

Emigrationsverbot für Juden.

Einrichtung von Vernichtungslager in Chelmno

Einrichtung eines Vernichtungslagers in Chelmno im besetzten Polen. Zwischen Dezember 1941 und Sommer 1942 werden dort etwa 100.000 Juden ermordet, in erster Linie aus dem Ghetto von Lodz.

Einziehung jüdischen Vermögens bei Deportation

Verordnung über Einziehung jüdischen Vermögens bei Deportation.

Kriegserklärung Deutschlands und Italiens

Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten, die ihrerseits den Krieg erklären.

Ausschließen von Sinti und Roma aus dem Wehrdienst

„Zigeunermischlinge mit auffälligem Zigeunereinschlag“ werden vom Wehrdienst ausgeschlossen. Sinti und Roma dürfen auch nicht mehr in der Rüstungsindustrie arbeiten. Sinti- und Romakinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit werden von den Schulen verwiesen.

70.000 Juden ins Ghetto nach Warschau deportiert

70.000 Juden, die westlich der Weichsel leben, werden ins Ghetto Warschau deportiert. Das Ghetto ist hoffnungslos überfüllt. Bis zu neun Personen müs-sen sich einen Raum teilen. Nach offizieller Zählung leben Anfang 1941 be-reits um die 380.000 Menschen im Ghetto. Schätzungen sprechen von bis zu 500.000 Menschen. Die Lebensbedingungen im Ghetto verschlechtern sich dramatisch.

Februarstreik in Amsterdam

Februarstreik in Amsterdam, ausgelöst durch die Brutalität der deutschen Besatzer, insbesondere die Verschleppung mehrerer hundert Juden ins deutsche KZ Mauthausen. Die Deutschen schlagen den Streik blutig nieder. Der Februarstreik ist die erste große Widerstandsaktion in den besetzten Gebieten.

Errichtung des KZ Birkenau für 200.000 Gefangene

Lagerkommandant Höß befiehlt, das KZ Auschwitz auszubauen und das KZ Birkenau für 200.000 Gefangene zu errichten. Dort wird später eine eigene Abteilung für Sinti und Roma eingerichtet. Der NS-Arzt Dr. Mengele erhält dort einen Block, um medizinische Experimente an Menschen durchzuführen.

Zwangsarbeit

Einsatz deutscher Juden zur Zwangsarbeit.

Angriff auf Jugoslawien und Griechenland

Angriff deutscher Truppen auf Jugoslawien und Griechenland.

Einführung des „Judensterns“ in den baltischen Staaten

Einführung des „Judensterns“ in den baltischen Staaten.

„Evakuierung“ aller europäischen Juden

Hermann Göring beauftragt Reinhard Heydrich mit der „Evakuierung“ aller europäischen Juden. (Im nationalsozialistischen Sprachgebrauch: „Gesamtlösung der Judenfrage“).

Erste Vergasung in Auschwitz

Die erste Vergasung in Auschwitz findet im Keller von Block 11 statt. Unter der Leitung von SS-Hauptsturmführer Karl Fritzsch werden sowjetische Kriegsgefangene mit Zyklon B vergast.

Polizeiverordnung: „Kennzeichnung der Juden“

Polizeiverordnung über die „Kennzeichnung der Juden“. Nach uneinheitlichen Regelungen im besetzten Polen wird der Judenstern im Deutschen Reich flächendeckend verordnet.

Erste Massenvergasung in Auschwitz

Die erste Massenvergasung findet in Auschwitz statt. Die SS tötet (wieder im Block 11) 600 sowjetische Kriegsgefangene und 250 Polen.

Juden ab 6. Lebensjahr mit Judenstern

Im Reich lebende Juden ab dem 6. Lebensjahr müssen in der Öffentlichkeit den Judenstern tragen.

Massaker in Kiew

Massaker in Kiew. Angeblich als „Vergeltungsmaßnahme für Brandstiftungen“ in der ukrainischen Hauptstadt Kiew nehmen die Deutschen sämtliche erreichbaren Juden der Stadt fest und erschießen sie in der Schlucht von Babi Jar. 33.711 Menschen fallen nach deutscher Zählung dieser Mordaktion zum Opfer.

In den folgenden Monaten werden tausende weitere Juden, sogenannte „Zigeuner“ und sowjetische Kriegsgefangene nach Babi Jar gebracht und dort erschossen.

1942

Wannseekonferenz

„Wannseekonferenz“ zur Koordinierung der Deportation und Ermordung der europäischen Juden, von den Nationalsozialisten als „Endlösung“ bezeichnet.

229.052 jüdische Menschen in baltischen Staaten liquidiert

Bericht der Einsatzgruppe A über die Liquidierung von 229.052 jüdischen Menschen in den baltischen Staaten.

Einstellung ordentlicher Strafverfahren gegen Juden, Sinti und Roma und Polen

Beschluss des Justizministers, dass ordentliche Strafverfahren gegen Juden, Sinti und Roma und Polen wegfallen, ebenso das Jugendstrafrecht für diesen Personenkreis.

Auschwitz-Erlass

Heinrich Himmler ordnet im sogenannten „Auschwitz-Erlass“ die Massende-portation von Roma und Sinti in das Konzentrationslager Auschwitz an. Es soll „ohne Rücksicht auf den Mischlingsgrad familienweise in das Konzentrationslager“ eingewiesen werden, heißt es in dem Erlass.

Die Vorstufe zur späteren Vernichtung war durch die Erfassung aller im deutschen Reich lebenden Roma und Sinti geschaffen worden. Robert Ritter, Leiter der „Rassenhygienischen und bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes Berlin“ und seine enge Mitarbeiterin Eva Justin waren hierfür maßgeblich verantwortlich.

Alliierte Regierungen verurteilen NS-Verbrechen

Veröffentlichung der Erklärung der Alliierten Regierungen gegen die „German Policy of Extermination of the Jewish Race“. Unterzeichnet von den Regierungen, bzw. Exilregierungen Belgiens, der Tschechoslowakei, Griechenlands, Luxemburgs, der Niederlande, Norwegens, Polens, der Sowjetunion, Großbritanniens, der USA, Jugoslawiens sowie des Französischen Nationalkomitees in London. Darin heißt es: „Die alliierten Regierungen verurteilen diese Verbrechen aufs Schärfste und bekräftigen ihre feste Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass die dafür Verantwortlichen der Vergeltung nicht entkommen werden“.

Arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen gelten für Sinti und Roma

Alle arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen für Juden gelten nun auch für Sinti und Roma (z.B. keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine Bezahlung an Feiertagen).

1. Sterilisationskonferenz

1. Sterilisationskonferenz: Erörterungen über die Sterilisierung sogenannter „Mischlinge“.

Massenvernichtung im KZ Bełżec

Beginn der Massenvernichtung im KZ Bełżec in Polen. Die Gemeinde Bełżec gehörte während der Okkupation von 1939 bis 1945 zum deutsch verwalteten Generalgouvernement. Im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ trifft am 17. März 1942 der erste Zugtransport mit Juden aus dem Ghetto Lublin in Bełżec ein. Bełżec ist das erste von drei Vernichtungslagern (neben Bełżec noch Sobibor und Treblinka), das allein zum Zwecke der physischen Vernichtung der Juden in Ostpolen und anderen Teilen Europas errichtet wird.

Die drei Lager werden in abgelegenen Gebieten errichtet, verfügen aber über Gleisanschlüsse, so dass eine große Anzahl Menschen (bis zu 15.000 täglich) ohne größeres Aufsehen dorthin gebracht und getötet werden kann. Lagerkommandant von Bełżec ist der SS-Hauptsturmführer Christian Wirth (1885-1944), der bereits an der Aktion T4 führend beteiligt gewesen ist. Insgesamt werden in Bełżec über 600.000 Menschen ermordet.

Gasöfen im KZ Auschwitz-Birkenau

Im KZ Auschwitz-Birkenau werden die Gasöfen in Betrieb genommen.

Deportation der in Frankreich lebenden Juden

Beginn der Deportation der in Frankreich lebenden Juden in fünf Zügen mit insgesamt 5.149 Juden nach Auschwitz, wovon 90 Prozent in den nächsten fünf Monaten durch Vernichtung oder aufgrund der Haftbedingungen sterben.

Sonderzuschlag zur Einkommenssteuer für Sinti und Roma

Sinti und Roma müssen 15 Prozent ihrer Einkommen als Sonderzuschlag zur Einkommenssteuer entrichten. Sinti und Roma dürfen nicht mehr in die Reichshauptstadt einreisen.

Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für Juden

Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch Jüdinnen und Juden im Reich. Ausnahmen für Zwangsarbeiter gelten nur, wenn die Arbeitsstelle mehr als 7 km vom Wohnort entfernt ist. Sitzen in den Verkehrsmitteln verboten.

Massenmorde im Vernichtungslager Sobibor

Beginn der Massenmorde im Vernichtungslager Sobibor.

Attentat auf Heydrich

Attentat auf Reinhard Heydrich, den Repräsentanten des Deutschen Reichs in der besetzten Tschechoslowakei. Heydrich erliegt am 4.6.1942 seinen Verletzungen.

Massenvergasungen von Juden in Auschwitz-Birkenau

Beginn der Massenvergasungen von Juden in Auschwitz-Birkenau. Deportationen aus dem Reichsgebiet in das „Altersghetto“ Theresienstadt.

„Judenstern“ in Frankreich und Holland

Einführung des „Judensterns“ in Frankreich und Holland.

Vernichtung des tschechischen Dorfes Lidice

Vernichtung des tschechischen Dorfes Lidice und Ermordung seiner Bewohner durch die SS.

Schließung der jüdischen Schulen

Schließung der jüdischen Schulen im Reich.

Errichtung des Vernichtungslagers Treblinka

Errichtung des Vernichtungslagers Treblinka.

Massenvergasungen in Auschwitz

Beginn der Massenvergasungen in Auschwitz.

Deportationszug aus Holland nach Auschwitz

Erster Deportationszug aus Holland nach Auschwitz.

Großrazzien gegen jüdische Menschen in Paris.

„Umsiedlung“ der Warschauer Ghetto-Bewohner

Die sogenannte „Umsiedlung“ der Warschauer Ghetto-Bewohner in die Vernichtungslager Bełżec und Treblinka beginnt.

Deportationen aus Belgien nach Auschwitz

Erste Deportationen aus Belgien nach Auschwitz.

Protokoll über Vernichtung „asozialen Lebens“

Der Reichsjustizminister protokolliert: „Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, dass Juden und Zigeuner schlechthin vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“

Vernichtung durch Arbeit

Himmler u. a. beschließen, dass „asoziale Elemente aus dem Strafvollzug – Juden, Zigeuner, Russen, Ukrainer… – an den Reichsführer der SS zur Vernichtung durch Arbeit ausgeliefert werden“. 12.000 Menschen sind davon betroffen.

Vernichtung des Judentums

Hitler wiederholt öffentlich seine Voraussage der Vernichtung des Judentums.

1943

Konferenz von Casablanca

Auf der Konferenz von Casablanca erörtern Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt eine zweite Front gegen die Achsenmächte.

Widerstand gegen die Deportationen

Erster Widerstand gegen die Deportationen im Warschauer Ghetto.

Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes

Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes, alle noch im Reich lebenden Sinti und Roma in KZs zu bringen.

6. Armee kapituliert vor Stalingrad

Die Südgruppe der 6. Armee unter Generalfeldmarschall Friedrich Paulus kapituliert vor Stalingrad und ergibt sich der Sowjetarmee.

Deportation der dänischen Juden

Die geplante Deportation der dänischen Juden scheitert weitgehend am dänischen Widerstand.

Kriegserklärung Italiens an Deutschland

Kriegserklärung Italiens an Deutschland.

Deportation in Italien lebender Juden nach Auschwitz

Beginn der Deportation in Italien lebender Juden nach Auschwitz.

Liquidierung des Ghettos Riga

Heinrich Himmler befiehlt die Ermordung von 17.000 jüdischen Zwangsarbeitern im KZ Majdanek.

Liquidierung des Ghettos Riga.

Konferenz von Teheran

Konferenz von Teheran: Großbritannien, die Sowjetunion und die USA stimmen ihre militärischen Operationspläne für das Jahr 1944 ab.

Prozess gegen deutsche Kriegsverbrecher

Erster Prozess gegen deutsche Kriegsverbrecher in Charkow.

Schlacht bei Stalingrad

Die Schlacht bei Stalingrad endet mit dem Sieg der Roten Armee.

Himmler ordnet Deportation aus Warschauer Ghetto an

Anordnung Himmlers, die letzten Bewohner des Warschauer Ghettos (50.000 Menschen) in KZs zu deportieren und das Ghetto abzureißen.

Goebbels propagiert „Totalen Krieg“

Goebbels propagiert in einer Rede im Berliner Sportpalast den „Totalen Krieg“. Mitglieder der Weißen Rose, die mit Flugblättern gegen die NS-Herrschaft protestiert hatten, werden verhaftet.

Hinrichtung von Sophie und Hans Scholl

Sophie und Hans Scholl (Weiße Rose) werden hingerichtet.

Deportation jüdischer Rüstungsarbeiter nach Auschwitz

Beginn der Deportation jüdischer Rüstungsarbeiter nach Auschwitz.

Transporte aus Holland nach Sobibor

Transporte aus Holland nach Sobibor; aus Prag, Wien, Luxemburg und Mazedonien nach Treblinka.

Verhaftungen im Widerstand

Führende Mitglieder der Widerstandsgruppe um General Hans Oster und Generaloberst Ludwig Beck werden verhaftet, darunter Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und Josef Müller.

Aufstand im Warschauer Ghetto

Aufstand im Warschauer Ghetto, der von der jüdischen Widerstandsorganisation ZOB organisiert wird; einer der bekanntesten Mitglieder ist Mordechaj Anielewicz, der am 8. Mai 1943 im Ghetto getötet wird. In den folgenden Wochen wird der Aufstand unter Leitung des SS-Generals Jürgen Stroop niedergeschlagen.

Vernichtung des Warschauer Ghettos

Ende des Aufstands im Warschauer Ghetto, Vernichtung des Ghettos. Am 16. Mai 1943 beendete Stroop seinen Einsatz mit der Sprengung der großen jüdischen Synagoge.

Himmler befiehlt die Vernichtung aller polnischen Ghettos

Himmler befiehlt die Vernichtung aller polnischen Ghettos.

Erlass vom 21. Juni

Himmler befiehlt die Vernichtung aller polnischen Ghettos. Durch Erlass vom 21. Juni auf die Sowjetunion ausgedehnt.

Liquidierung des Lemberger Ghettos

Liquidierung des Lemberger Ghettos.

Sturz Mussolinis

Sturz Mussolinis und Bildung einer neuen italienischen Regierung.

Aufstand und Vernichtung des Ghettos Białystok.

Aufstand im Vernichtungslager Treblinka

Aufstand im Vernichtungslager Treblinka, 70 bis 150 der verbliebenen 700 Gefangenen gelingt die Flucht.

Vernichtung des Ghettos Bialystok

Aufstand und Vernichtung des Ghettos Bialystok.

Verbrennen der Opfer von Babi Jar

SS- und SD-Männer zwingen 327 jüdische Insassen des Lagers in Syrets am nördlichen Rand von Kiew, die Opfer von Babi Jar auszugraben und zu verbrennen (Teil der Aktion 1005). Das Verbrennen der Leichen dauert vier Wochen.

Razzien gegen Juden in Nizza

Beginn der deutschen Razzien gegen Juden in Nizza.

Liquidierung der Ghettos in Minsk und Lida

Liquidierung der Ghettos in Minsk und Lida.

Liquidierung des Ghettos in Wilna

Liquidierung des Ghettos in Wilna.

1944

Einstellung der Vergasungen in Auschwitz

Angesichts der immer näher rückenden Ostfront ordnet Reichsführer SS und Reichsinnenminister Heinrich Himmler am 26. November 1944 die Einstellung der Vergasungen in Auschwitz und deren Spurenbeseitigung an.

Zerstörung der Krematorien in Auschwitz-Birkenau

Befehl Himmlers zur Zerstörung der Krematorien in Auschwitz-Birkenau.

Weiter Sterilisierung von Sinti und Roma-Kindern

Noch immer werden Sinti und Roma-Kinder sterilisiert, im Alter von höchstens 12 Jahren.

Massendeportation von Ungarn nach Ausschwitz

Beginn der Massendeportation in Ungarn lebender Juden, überwiegend nach Auschwitz. Bis zur Unterbrechung am 8. Juli werden annähernd 480.000 Menschen aus Ungarn abtransportiert.

„D-Day”

„D-Day” (Decision Day): Landung der Alliierten in der Normandie. Es ist das größte militärische Landungsunternehmen der Geschichte.

Zerstörung der Ortschaft Oradour-sur-Glane

Zerstörung der Ortschaft Oradour-sur-Glane in Südfrankreich und Ermordung seiner Einwohner durch die SS. 642 Menschen werden an diesem Samstagnachmittag niedergemetzelt und verbrannt.

Sowjetische Offensive

Beginn der großen Offensive der Roten Armee an der deutsch-sowjetischen Front.

Attentat auf Hitler

Sowjetische Truppen befreien das KZ Majdanek.

Das Attentat auf Hitler durch die Gruppe um Stauffenberg misslingt.

Beginn des Aufstandes in Warschau

Beginn des Aufstandes in Warschau gegen die deutschen Besatzungstruppen.

Roma in Auschwitz-Birkenau

2.900 Roma werden in Auschwitz-Birkenau vergast und verbrannt.

Aufstellung des Volkssturms

Hitler befiehlt die Aufstellung des Volkssturms.

1945

Sowjetische Truppen befreien das KZ Auschwitz

Sowjetische Truppen befreien das KZ Auschwitz. Sie finden noch etwa 7.000 kranke und erschöpfte Häftlinge vor. Insgesamt sind in Auschwitz zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Menschen ermordet worden.

Nürnberger Prozesse

Nürnberger Prozesse

Konferenz von Jalta

Konferenz von Jalta: Großbritannien, die USA und die Sowjetunion verhandeln u.a. über die Aufteilung Deutschlands nach der Kapitulation.

KZ Buchenwald von amerikanischen Truppen befreit

Das KZ Buchenwald wird von amerikanischen Truppen befreit.

Englische Truppen befreien das KZ Bergen-Belsen

Englische Truppen befreien das KZ Bergen-Belsen. Von den noch lebenden 60.000 Menschen sterben in den nächsten Wochen noch 28.000 Menschen an den Folgen der Haft.

Truppen an der Elbe

Begegnung amerikanischer und sowjetischer Truppen an der Elbe.

Dachau von amerikanischen Truppen befreit

Dachau wird von amerikanischen Truppen befreit.

Hitler begeht Selbstmord

Hitler begeht Selbstmord.

Berlin kapituliert

Berlin kapituliert.

Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes übernehmen Theresienstadt.

Offizielles Kriegsende in Europa

Offizielles Kriegsende in Europa.

Kapitulation des Deutschen Reiches

Bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches.

Berliner Deklaration

Berliner Deklaration. Die vier Siegermächte übernehmen oberste Regierungsgewalt in Deutschland, bilden die vier Besatzungszonen, teilen Berlin in vier Sektoren und bilden den Alliierten Kontrollrat, der aus den vier Oberbefehlshabern besteht.

Gründung der UNO

Gründung der Vereinten Nationen (UNO), 51 Staaten sind Gründungsmitglieder.

Potsdamer Konferenz

Beginn der Potsdamer Konferenz der Siegermächte.

Atombombenabwurf der USA

Atombombenabwurf der USA auf Japans Städte Hiroshima und Nagasaki.

Kapitulation Japans

Kapitulation des japanischen Kaiserreichs am 2. September 1945. Ende des Zweiten Weltkriegs.

1946

Entnazifizierung

Das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus tritt in Kraft, damit beginnt die rechtsstaatliche Entnazifizierung.

1947

Stelle für Robert Ritter

Robert Ritter erhält eine Stelle bei der Stadt Frankfurt/Main. Er wird Leiter der ärztlichen Jugendhilfstelle im Stadtgesundheitsamt. Ab 1948 wird er verbeamtet und erhält den Status eines Obermedizinalrates.

Neues Amt für Eva Justin

Eva Justin tritt ihr neues Amt als Kriminalpsychologin an, ebenfalls in Frankfurt/Main. Weder sie noch Ritter sind je verurteilt worden.

19
1920
1921
1922

Verbot der NSDAP

Verbot der NSDAP in Baden aufgrund des Gesetzes zum „Schutz der Republik“.

1923
1924
1925

Neugründung der NSDAP

Neugründung der NSDAP auf Reichsebene. Die Partei, die zum Zeitpunkt ihres Verbotes etwa 55.000 Mitglieder hatte, erhält sich aber bis zu ihrer Wiederzulassung im Februar 1925 in verschiedenen anderen Organisationen.

Robert Wagner gründet „Gau Baden“ der NSDAP

Robert Wagner, nach seiner Verurteilung zu 15 Monaten Festungshaft wegen Beteiligung am Hitlerputsch 1923 seit Ende 1924 in Baden tätig, ruft die Vertreter aller in Baden bestehenden nationalsozialistischen Gruppen zu einer Versammlung Karlsruhe und gründet den „Gau Baden“ der NSDAP.

1926
1927

NSDAP-Zeitung „Der Führer“ erscheint in Karlsruhe

Das Hauptorgan der NSDAP im Gau Baden, „Der Führer“, erscheint in Karlsruhe.

1928

NSDAP in Karlsruhe ca. 290 Mitglieder

Die NSDAP in Karlsruhe zählt ca. 290 Mitglieder.

Hitler-Rede: „Tageskampf und Weltanschauung“

Adolf Hitler hält in der Festhalle in Karlsruhe vor etwa 3000 Zuhörern, zum Teil Parteimitgliedern aus dem weiteren Umkreis in Baden und der Pfalz, eine zweistündige Rede über „Tageskampf und Weltanschauung.“ Neben Hitler sprechen der Propagandaredner Werner Studentkowski und Elsbeth Zander, die Leiterin des Deutschen Frauenordens (DFO), der 1926 als Frauenorganisation der Partei anerkannt und 1928 in die NSDAP aufgenommen wurde.

NSDAP in Karlsruhe 3,1 Prozent

Bei der Reichstagswahl erhält die NSDAP in Karlsruhe 3,1 Prozent und damit 0,5 Prozent mehr als im gesamten Reich.

Versammlungen der NSDAP stärker besucht

Die Versammlungen der NSDAP werden stärker besucht. Fast jede Woche finden öffentliche Versammlungen statt, die im Schnitt von 200 bis 300 Personen besucht werden.

Deutschen Frauenorden

Eine Ortsgruppe des Deutschen Frauenordens wird in Karlsruhe gegründet.

1929

Gründung der HJ

Gründung der HJ (Hitlerjugend) in Karlsruhe.

NSDAP erhält 7 Prozent

Die NSDAP erhält bei der Landtagswahl 7 Prozent der Stimmen und zieht damit erstmals in den Badischen Landtag ein.

Koalitionskabinett von Zentrum und SPD

Der Badische Landtag wählt ein Koalitionskabinett von Zentrum und SPD.

1930

Gründung des BDM

Gründung des BDM (Bund Deutscher Mädel) in Karlsruhe Die NSDAP in Karlsruhe zählt ca. 1000 Mitglieder.

NSDAP stärkste Fraktion im Karlsruher Rathaus

Nach den Wahlen zum Bürgerausschuss stellt die NSDAP mit 28 von 84 Abgeordneten die stärkste Fraktion im Karlsruher Rathaus.

NSDAP mit 8 von 24 Stadträten

Der Bürgerausschuss wählt den Stadtrat. Dort ist die NSDAP mit 8 von 24 Stadträten die stärkste Gruppe.

NSDAP mit 26 Prozent stärkste Partei

In Karlsruhe wird die NSDAP mit 26 Prozent stärkste Partei und liegt mit fast 8 Prozent über dem Reichsergebnis.

NSDAP: 26,0% (Stimmenanteil Karlsruhe), 18,3% (Stimmenanteil Deutsches Reich)

SPD: 24,2% (Stimmenanteil Karlsruhe), 24,5% (Stimmenanteil Deutsches Reich)

Zentrum: 16,5% (Stimmenanteil Karlsruhe), 11,8% (Stimmenanteil Deutsches Reich)

DVP: 10,7% (Stimmenanteil Karlsruhe), 4,5% (Stimmenanteil Deutsches Reich)

KPD: 9,7% (Stimmenanteil Karlsruhe), 13,1% (Stimmenanteil Deutsches Reich)

DNVP: 2,7% (Stimmenanteil Karlsruhe), 7,0% (Stimmenanteil Deutsches Reich)

1931
1932

Hitler spricht in Karlsruhe

Hitler spricht in Karlsruhe auf einer Wiese in der Daxlanderstraße in einem eigens aufgestellten riesigen Zelt. Laut der Zeitung „Der Führer“ vor 40.000 Menschen.

Emil Maier verbietet SA in Baden

Der badische Innenminister Emil Maier (SPD) verbietet die SA in Baden.

Aufhebung des SA-Verbots

Nach der Aufhebung des SA-Verbots durch die Reichsregierung erlässt die badische Landesregierung ein Uniformverbot, auch dies wird durch Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. Juni wieder aufgehoben. Willi Worch wird NSDAP-Kreisleiter von Karlsruhe und bleibt es bis 1944.

1933

Das erste Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft

Bereits im Laufe des Jahres 1933, dem ersten Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft, werden in Karlsruhe insgesamt dreiundzwanzig Beamte, zwölf Angestellte und achtundachtzig Arbeiter aus dem städtischen Dienst entlassen und ein sogenannter „nicht-arischer“ Beamter in den Ruhestand versetzt.

Fackelzug

Karlsruher NSDAP-Anhänger organisieren aus Anlass der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler einen Fackelzug durch die Stadt.

August Dosenbach wird erschossen

August Dosenbach wird aufgrund des Verdachts, Flugblätter über die elsässische Grenze zu bringen, von der Gestapo in Maxau verhaftet und bei Knielingen erschossen.

Joseph Goebbels besucht Karlsruhe

Joseph Goebbels besucht Karlsruhe.

Hitler-Rede wird öffentlich

Hitler-Rede wird öffentlich über Rundfunk vor der Festhalle und vorm Rathaus übertragen. Zahlreiche Menschen sind vor Ort und hören der Übertragung zu.

90 Prozent der Karlsruher für Adolf Hitler

Bei der „Reichstagswahl und Volksabstimmung für Frieden, Freiheit und Ehre“ stimmen rund 90 Prozent der Karlsruher für Adolf Hitler.

Demonstration von SPD und Eiserner Front

Im Anschluss an eine Demonstration von SPD und Eiserner Front gegen die NSDAP und andere rechtsgerichtete Kräfte kommt es auf dem Markplatz, der Kaiser- und der Kreuzstraße zu Schlägereien.

16 Verbote gegen nicht-nationalsozialistische Zeitungen

Bis zum 16. Februar 1933 werden vom Reichsinnenminister Wilhelm Frick allein in Baden 16 Verbote gegen nicht-nationalsozialistische Zeitungen ausgesprochen, u.a. gegen den „Badischen Beobachter“ (Zentrum) und den „Volksfreund“ (SPD).

Schlussappell der Parteien und Verbände

Auf dem Schlossplatz versammeln sich 3000 bis 4000 Menschen zu einem Schlussappell der Parteien und Verbände, die die Hitler-Regierung unterstützen.

Reichstagsneuwahlen

Reichstagsneuwahlen – die NSDAP erhält 43,9 Prozent. Das Ziel der absoluten Mehrheit in Baden und der Landeshauptstadt wird nicht erreicht.

Ergebnisse Karlsruhe bei einer Wahlbeteiligung von 88 Prozent

NSDAP: 45.089 Stimmen

SPD: 17.886 Stimmen

KPD: 9.620 Stimmen

Bad. Zentrumspartei: 17.032 Stimmen

Kampffront Schwarz-Weiß-Rot: 5.351 Stimmen

Deutsche Volkspartei: 1.721 Stimmen

Evangelischer Volksdienst: 1.543 Stimmen

Deutsche Staatspartei: 1.821 Stimmen

Deutsche Bauernpartei: 28 Stimmen

Bauern- und Weingärtnerverband: 11 Stimmen

Sozialistische Kampfgemeinschaft: 18 Stimmen

Robert Wagner trifft in Karlsruhe ein

Robert Wagner (Reichskommissar in Baden) trifft in Karlsruhe ein. SA und SS marschieren am Schlossplatz auf und besetzen den Landtag und die Ministerien. Die badische Regierung protestiert gegen die Einsetzung des Reichskommissars Robert Wagner (NSDAP) und legt Rechtsmittel beim Staatsgerichtshof ein.

Beurlaubung und Schutzhaft für Polizeioffiziere

Beurlaubung und Schutzhaft für hohe Polizeioffiziere des alten Systems. Neuer Polizeipräsident wird SA-Ortsgruppenführer Hanns Elard Ludin. Sally Grünebaum, Redakteur des „Volksfreund“, und Ludwig Marum, Reichstagsabgeordneter der SPD, werden in „Schutzhaft“ genommen. Das Gebäude des „Volksfreund“ in der Waldstraße wird besetzt. Im Volkshaus in der Schützenstraße, wo die Gewerkschaften, die SPD, das Reichsbanner und andere Arbeiterorganisationen ihre Büros hatten, werden die Scheiben eingeschlagen und Hakenkreuzfahnen gehisst. Wer immer sich dort aufhält, wird in das Polizeipräsidium am Marktplatz verschleppt.

Lilli Fischel wegen jüdischer Abstammung beurlaubt

Lilli Fischel, seit 1927 amtierende Leiterin der Kunsthalle, wird wegen ihrer jüdischen Abstammung zunächst beurlaubt und dann entlassen. Der Reichskommissar Robert Wagner übernimmt die Macht in Baden, die bisherige Regierung tritt zurück.

Ca. 100 Personen aus Baden in „Schutzhaft“ genommen

Unter einem Vorwand werden viele bisher noch nicht verhaftete kommunistische und sozialdemokratische Reichs- und Landtagsabgeordnete, aber auch Mitglieder des Zentrums, in Baden in „Schutzhaft“ genommen. Dies betrifft in Karlsruhe ca. hundert Personen. Sämtliche Druckschriften und alle Jugendverbände dieser Parteien werden verboten und ihre Räumlichkeiten geschlossen.

NS-Kommissare als Aufsicht für Oberbürgermeister

Dem Oberbürgermeister Julius Finter (DDP) und den drei Bürgermeistern in Karlsruhe werden nationalsozialistische Kommissare als Aufsicht zugeordnet.

Kundgebung zur Reichstagseröffnung

Die Reichstagseröffnung in der Potsdamer Garnisonskirche wird auf dem Marktplatz in Karlsruhe per Lautsprecher übertragen. Nach Angaben der Tagespresse nehmen etwa 100.000 Menschen an einer Kundgebung teil.

Ausschluss der jüdischen Unternehmer

Auf Antrag der NSDAP-Abgeordneten beschließt der Stadtrat u.a. einen Ausschluss der jüdischen Unternehmer von städtischen Aufträgen.

Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte

Der Stadtrat beschließt mehrheitlich, dass städtische Beamte, Angestellte und Arbeiter nicht mehr der KPD und SPD zugehören dürfen. Die Presse berichtet von zahlreichen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in den vorangegangenen Tagen.

Jüdische Geschäfte werden boykottiert

Jüdische Geschäfte werden boykottiert und mit einem gelben Fleck auf schwarzem Grund markiert. Parteimitglieder werden aufgefordert, Boykottbrecher zu fotografieren. Die nationalsozialistische „Säuberung“ der städtischen und staatlichen Stellen geht weiter, so werden z. B. Ministerialrat Frech und Prof. Graf, Mitglieder des Zentrums, aus ihren Ämtern entfernt. Der Landtagsabgeordnete des Zentrums, Anton Hilbert, wird wegen „Führerbeschimpfung“ verhaftet.

Arbeitsverbot für jüdische Beamte

Arbeitsverbot für jüdische Beamte, Angestellte und Arbeiter bei allen städtischen Ämtern, aufgrund des Erlasses des „Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.“

„Hitlerlinde“

In Karlsruhe wird aus Anlass von Hitlers Geburtstag auf dem Schlossplatz die sogenannte „Hitlerlinde“ gepflanzt.

Versammlung zum „Tag der deutschen Arbeit“

Zur Feier des sogenannten „Tages der deutschen Arbeit“ versammeln sich ca. 80.000 Anhänger der Nationalsozialisten zu einer Veranstaltung mit Robert Wagner auf dem Schlossplatz.

Räume der verbotenen Gewerkschaften werden besetzt

Die Räume der nun verbotenen Gewerkschaften werden besetzt und ihr Vermögen beschlagnahmt. Die SA besetzt das Haus des Metallarbeiterverbandes in der Lammstraße, das Haus des Zentralverbandes der Angestellten, Gartenstr. 25, und das Volkshaus, Schützenstr. 16. Zahlreiche Personen werden verhaftet.

Verlag Der Führer übernimmt Druckerei

Der Verlag Der Führer übernimmt Druckerei und Verlagsgebäude der SPD-Zeitung „Volksfreund“ in der Waldstraße.

Hitlerjugend trifft sich im Hochschulstadion

Die Hitlerjugend trifft sich im Hochschulstadion (ca. 30.000 Teilnehmer). Reichsjugendführer Baldur von Schirach hält eine Ansprache. Zahlreiche andere Massenveranstaltungen folgen.

Oberbürger- und Bürgermeister von Karlsruhe werden abgesetzt

Der Karlsruher Oberbürgermeister und seine drei Bürgermeister werden abgesetzt.

Hitler zu Ehrenbürger ernannt

In Karlsruhe tritt der neue Stadtrat zu seiner ersten Sitzung zusammen und ernennt Adolf Hitler, Robert Wagner und Walter Köhler zu Ehrenbürgern. Viele Plätze und Straßen werden umbenannt, z. B. Marktplatz in Adolf-Hitler-Platz, Gottesauer Platz in Hermann-Göring-Platz, Durlacher Allee in Robert-Wagner-Allee.

Luftschutzübungen

In Karlsruhe finden erste Probealarm- und Verdunkelungsmaßnahmen als Luftschutzübungen statt.

Schaufahrt von verhafteten Sozialdemokraten

Schaufahrt mit sieben verhafteten Sozialdemokraten (Remmele, Marum, Grünebaum, Sammet, Heller, Furrer, Stenz) vom Landesgefängnis durch Karlsruhe ins KZ nach Kislau bei Bruchsal. Der Transport war zuvor durch Flugblätter bekanntgegeben worden. Tausende beteiligen sich, die die Verhafteten bei ihrem Erscheinen gegen 11 Uhr mit Pfiffen und Pfui-Rufen empfangen. Die Verhafteten werden u.a. durch das Singen von „Das Wandern ist des Müllers Lust“ verhöhnt, das auch von einer Musikkapelle gespielt wird. Der Müllerssohn Adam Remmele, 1877 geboren, ist gelernter Müller und als Geselle mehrere Jahre auf Wanderschaft gewesen.

Neuer Oberbürgermeister

Der Bürgerausschuss wählt Adolf Friedrich Jäger zum neuen Oberbürgermeister. Die SPD nimmt aus Protest über ihren Ausschluss aus den gemeinderätlichen Kommissionen nicht an der Wahl teil.

Endgültige Ausschaltung des Landtags

Durch die Zustimmung zum badischen Ermächtigungsgesetz besiegelte der Landtag selbst seine endgültige Ausschaltung, mit 48 Stimmen der NSDAP, des Zentrums und der DNVP gegen 5 Stimmen derjenigen Sozialdemokraten, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht in „Schutzhaft“ befanden.

Verbot der Zeitung Badenwacht

Verbot der Badenwacht (Zeitung des Zentrums).

Bücherverbrennungen

Bücherverbrennungen durch die Karlsruher HJ auf dem Schlossplatz im Rahmen einer nationalsozialistischen Sonnwendfeier. Die Bücher wurden zuvor in den Leihbüchereien und Buchhandlungen beschlagnahmt. Zu den Autorinnen und Autoren, deren Werke verbrannt und verboten wurden, zählen u.a. Bertolt Brecht, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky.

SPD-Abgeordnete aus Bürgerausschuss entlassen

Mit dem Verbot der SPD sind deren Abgeordnete aus dem Bürgerausschuss entlassen, während die Abgeordneten der ebenfalls aufgelösten Zentrumspartei als „Hospitanten“ der NSDAP bis zur Aufhebung des Bürgerausschusses im Amt bleiben.

1934

Letzte Sitzung des Bürgerausschusses

Letzte Sitzung des Bürgerausschusses, der nach dem Gesetz vom 6. März 1934 aufgelöst wird.

Gruppe von SPD-Widerstandskämpfern wird verhaftet

Eine Gruppe von SPD-Widerstandskämpfern wird verhaftet. Das „Bannheim“ der Hitlerjugend wird in der Kriegsstr. 57 eingeweiht. Der Karlsruher Hausfrauenbund wird in die NS-Frauenschaft eingegliedert.

KPD-Stadtverordneter Gustav Kappler verurteilt

Der ehemalige KPD-Stadtverordnete Gustav Kappler wird vom Oberlandesgericht Karlsruhe wegen „illegaler“ Widerstandstätigkeit für die KPD zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

 

Lagebericht der Gestapo

Die Gestapo Karlsruhe meldet in ihrem „Lagebericht“, dass die Hersteller und Verbreiter der Zeitung Trotz Alledem Rote Fahne gefasst worden seien. Sie wurde von Karlsruher Kommunisten bis November 1933 und dann, nach Verhaftungen, erneut 1934 herausgegeben. Die Zeitung berichtete über lokale Ereignisse und wertete für außenpolitische Berichte insbesondere Schweizer Zeitungen aus.

Ermordung Ludwig Marums

Ermordung Ludwig Marums im KZ Kislau. Sein Tod wird als Selbstmord ausgegeben.

Neu formierter Stadtrat

Der neu formierte Stadtrat fasst den Beschluss, keine Aufträge mehr an jüdische Geschäfte zu vergeben.

Reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte

Der reichsweite Boykott jüdischer Geschäfte wird in Karlsruhe im Auftrag der NSDAP-Kreisleitung von Standartenführer Lücke organisiert. Zitat aus dem Badischen Beobachter vom 2. April:
„Pünktlich um 10 Uhr zogen SA- und SS-Formationen mit den Inschriften „Kauft nicht bei Juden“, „Meidet jüdische Ärzte“, „Geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten“; usw. durch die Straßen. Bereits wenige Minuten nach 10 Uhr war jedes jüdische Geschäft, jedes Warenhaus mit SA- oder SS-Doppelposten mit diesen Plakaten versehen. Vor jedem Haus, in dem ein jüdischer Rechtsanwalt sein Büro hat, stehen ebenfalls solche Posten. Sämtliche Karlsruher Warenhäuser und Einheitspreisläden und auch sonst fast alle übrigen jüdischen Einzelhandelsgeschäfte zogen es vor, um 10 Uhr zu schließen. Wo dies nicht der Fall war, erschienen SA-Leute mit Photoapparaten und hielten die trotz der jüdischen Greuelhetze dort kaufenden Personen im Bilde fest. Die Abwehraktion ist in Karlsruhe bisher vollkommen ruhig verlaufen. Zahlreiche SA- und SS-Leute patrouillieren durch die Straßen und sorgen dafür, daß die Abwehraktionen in den gesetzlichen Bahnen verlaufen“.

Anzeigen im NS-Organ Der Führer

Im NS-Organ Der Führer erscheinen Anzeigen von Firmen wie die der Großschlächterei Nusshag & Söhne, die sich beeilen hervorzuheben, dass „an unserem Geschäftsbetrieb kein Jude auch nur mit einem Pfennig beteiligt ist“.

Friedrich Weick verurteilt

Friedrich Weick (ehem. SPD-Stadtverordneter) wird vom Sondergericht Mannheim zu zwei Jahren und acht Monaten Zuchthaus verurteilt, weil er den Vertrieb von aus dem Elsass eingeschmuggelten Zeitungen organisiert hat.

Adolf Hitlers wird auch in Karlsruhe zum „Führer“

Die Volksabstimmung über die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers wird auch in Karlsruhe zu einem klaren Bekenntnis zum „Führer“.

1935

Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht

Nach Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht rücken die ersten Rekruten in Karlsruher Kasernen ein.

Gestapo erwähnt die Zeitung Trotz Alledem Rote Fahne

In ihren Lageberichten vom Dezember 1935 und Januar 1936 erwähnt die Gestapo erneut die Zeitung Trotz Alledem Rote Fahne, die jetzt in Linkenheim hergestellt wird. Es sind keine Berichte derjenigen überliefert, die die Zeitung im Untergrund hergestellt, gedruckt und verteilt haben.

„Rassentrennung“ an den Karlsruher Schulen

Bereits vor dem Erlass des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 10. September über Erhebungen bezüglich der sogenannten „Rassezugehörigkeit“ an allen Schulen, betreibt das Stadtschulamt Karlsruhe die „Rassentrennung“ an den Karlsruher Schulen.
Schon am 1. Oktober sollen die 233 jüdischen Schülerinnen und Schüler der Karlsruher Volksschulen in einem eigenen Schulgebäude unterrichtet werden.

„Judenknechte am Pranger“

Im Karlsruher NS-Organ Der Führer erscheint ein mit „Judenknechte am Pranger“ betitelter Bericht. Sechs nicht-jüdische Karlsruher Firmen, deren Besitzerinnen und Besitzer den Mut hatten, am 29. Juli im Israelitischen Gemeindeblatt zu inserieren, werden namentlich und mit Adresse genannt, mit folgendem Text:
„Wir bringen die Liste dieser Firmen keineswegs, um zum Boykott dieser Geschäfte aufzufordern. Wir stellen nur fest, daß diese Firmen durch ihre Werbung im ‚Israelitischen Gemeindeblatt’ zum Ausdruck bringen, daß sie großen Wert auf jüdische Kundschaft legen, so daß der deutschbewußte Käufer bei ihnen möglicherweise zahlreichen Juden begegnet. Bei dem im ganzen deutschen Volke nun immer deutlicher zum Bewußtsein kommenden rassischen Sauberkeitsempfinden und dem klaren Wunsch nach reinlicher Scheidung, der immer stärker auch in der Karlsruher Bevölkerung sich durchsetzt, scheint uns dieser Hinweis notwendig, um unseren deutschbewußten Lesern Unannehmlichkeiten zu ersparen.“

1936

Einmarsch deutscher Truppen

Einmarsch deutscher Truppen in Karlsruhe, das bisher zur neutralen Zone gehörte.

Hitler spricht in Karlsruhe

Hitler spricht in Karlsruhe vor 60.000 Zuhörern und eröffnet damit seine Wahlkampfreise für die Reichstagswahl am 29. März.

Göring in der Markthalle

Göring, der bei seiner Ankunft in und Fahrt durch Karlsruhe von der Bevölkerung bejubelt wird, spricht in der Markthalle.

Reichstagswahlen

Reichstagswahlen. Ergebnis in Karlsruhe: 112.450 Stimmen für die NSDAP, 1.404 Stimmen dagegen, bei einer Wahlbeteiligung von 98,77%.vvv

1937

Gesamtverdunkelungsübung

Gesamtverdunkelungsübung in Karlsruhe und Durlach.

Karlsruher Tagblatt eingestellt

Das Karlsruher Tagblatt muss sein Erscheinen einstellen.

1938

Rheinbrücke für Straßenverkehr freigegeben

Die neue Rheinbrücke wird für den Straßenverkehr freigegeben, ab 3. April auch für die Eisenbahn.

Verhaftung polnischer Juden

Verhaftung polnischer Juden und Abschiebung nach Polen. In Karlsruhe sind davon etwa 200 Personen betroffen.

Brand der Karlsruher Synagogen

In der Pogromnacht, der sogenannten „Reichskristallnacht“, werden von Nationalsozialisten die beiden Karlsruher Synagogen in Brand gesteckt. Zahlreiche jüdische Geschäfte werden zerstört. Die Nazis dringen in Wohnungen ein, verwüsten sie, werfen Möbel durch die Fenster auf die Straßen.
Ab dem frühen Morgen des 10. November werden alle männlichen Juden zwischen 16 und 60 Jahren in „Schutzhaft“ genommen. Durch eine johlende Menge von mehreren hundert Karlsruherinnen und Karlsruhern werden viele von ihnen über den Marktplatz in das Polizeipräsidium getrieben und dabei in zahlreichen Fällen misshandelt. In der folgenden Nacht werden etwa 400 – 500 Karlsruher Juden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.
Gegen Mittag fahren vier PKWs vor der Synagoge in der Grötzinger Krummestraße 15 (bis 1933 Synagogenstraße) vor, aus denen jeweils vier mit Beilen bewaffnete Männer aussteigen. Sie verwüsten die Synagoge und lassen von der Brandstiftung nur ab, weil die Anwohner der angrenzenden Grundstücke den Hinweis geben, dass ihre Grundstücke ebenfalls gefährdet seien.

Dr. Oskar Hüssy wird Oberbürgermeister

In Karlsruhe wird Dr. Oskar Hüssy Oberbürgermeister.

„Arisierung“ jüdischer Geschäfte

Die Firma Friedrich Hoelscher KG übernimmt das Warenhaus der jüdischen Geschwister Knopf. Die sogenannte „Arisierung“ jüdischer Geschäfte wird nach dem 10. November intensiviert.

1939

Bau von Luftschutzbunkern

Beginn des Baus von Luftschutzbunkern in den Außenbezirken. In der Innenstadt gibt es lediglich Hausschutzräume.

Abriss der Synagoge in der Kronenstraße

Die nach der Brandstiftung noch weitgehend intakte Synagoge in der Kronenstraße wird auf Kosten der jüdischen Gemeinde durch Anordnung der Stadtverwaltung abgerissen.

Tod von Hermann Böning

Hermann Böning, bis 1932 hauptamtlichter Leiter des KPD-Bezirks Karlsruhe, kommt auf dem Hohenasperg um, wo er seit 1935 eine Haftstrafe verbüßte. Als Todesursache wird ein Unfall angegeben.

Sinti und Roma werden im Polizeibezirksamt Hebelstraße festgehalten

Die Karlsruher Sinti und Roma werden im Polizeibezirksamt Hebelstraße festgehalten, bis sie zusammen mit anderen aus Südwestdeutschland in das Sammellager auf dem Hohenasperg bei Stuttgart gebracht werden. Vom Hohenasperg sollen die Sinti und Roma nach Polen übersiedelt werden.

Hitler trifft Brauchitsch im Hotel Germania

Hitler hält sich aus Anlass der Besichtigung der Westbefestigung in Karlsruhe auf, wo er im Hotel Germania am Ettlinger Tor (heute ECE-Center) mit dem Oberbefehlshaber des Heeres, Walter von Brauchitsch, zusammentrifft. Er übernachtet in seinem Sonderzug bei Eggenstein.

Probealarm mit Großsirenen

Probealarm mit Großsirenen.

Verteilung von Lebensmittelkarten

Das Ernährungs- und Wirtschaftsamt am Rondellplatz ordnet die Verteilung von Lebensmittelkarten an.

1940

Otto Beck verurteilt

Im ersten Urteil des Karlsruher Sondergerichts wegen Abhörens ausländischer Sender erhält Otto Beck eine zweijährige Gefängnisstrafe.

Propagandafilm „Jud Süß“ startet im Kino

Der antisemitische Propagandafilm „Jud Süß“ startet im Kino „Capitol“, am „Platz der SA“, dem heutigen Festplatz.

Jüdische Einwohner nach Frankreich deportiert

Die jüdischen Einwohner der damaligen Gaue Baden und Saarpfalz werden nach Frankreich deportiert. Diese zunächst geheim gehaltene Aktion wurde von den beiden Gauleitern Josef Bürckel und Robert Wagner geplant.
Über 6.500 Menschen mussten sich an diesen beiden Tagen, dem Abschluss des heiteren jüdischen Laubhüttenfestes „Sukkoth“, zum Verlassen ihrer Heimat fertig machen. Oft ließ man ihnen dafür weniger als eine Stunde. Mitnehmen durften sie pro Person lediglich 50 kg Gepäck und nicht mehr als 100 Reichsmark. Einige entzogen sich durch Selbstmord der drohenden Verschleppung.
Dies alles geschah am Tag, unter den Augen der Öffentlichkeit. Zum Teil wurde sogar Beifall geklatscht. Nur sehr wenige ließen sich ihre Abscheu über dieses Verbrechen anmerken. Im Freiburger Polizeibericht heißt es lapidar: „Der Abtransport ging in aller Ordnung vor sich“. Wagner und Bürckel meldeten nach Berlin, ihre Gaue seien nunmehr „judenfrei“.

Die Aktion der beiden Gauleiter war durch das Waffenstillstandsabkommen nach dem Frankreichfeldzug im Juni 1940 möglich geworden. Es enthielt eine Klausel, nach der alle Juden französischer Staatsangehörigkeit aus der deutschen Besatzungszone in das unbesetzte Frankreich abgeschoben werden konnten. Die beiden Gauleiter, auch für das besetzte Gebiet zuständig, dehnten diese Bestimmung willkürlich und widerrechtlich auf die Juden ihrer Gaue im Reichsgebiet aus.

Bronzestatuen Badenia und Fidelitas werden eingeschmolzen

Die Bronzestatuen Badenia und Fidelitas, die vor dem Rathaus standen, werden mit den drei Giebelreliefs und weiteren Metallspenden, die viele Karlsruherinnen und Karlsruher zu Hitlers Geburtstag bei den Sammelstellen abgaben, eingeschmolzen.

200 Karlsruher Sinti und Roma auf den Hohenasperg

Abtransport von etwa 200 Karlsruher Sinti und Roma auf den Hohenasperg. Von dort werden sie später in Ghettos, Arbeits- und Konzentrationslager in Polen deportiert. Die meisten von ihnen kommen dort um oder werden von den Nationalsozialisten ermordet.

1941

Anzeige gegen Ferdinand Maurath

Anzeige gegen Ferdinand Maurath, Pfarrvikar von St. Peter und Paul in Mühlburg, wegen mehrerer ‚Delikte’, unter anderem wegen des Aufbewahrens von Büchern nichtreligiösen Inhalts in der Pfarrbibliothek und Versenden religiöser Schriften an die Front. Er wird verhaftet und verbüßt die gegen ihn ohne Prozess verhängte ‚Schutzhaft’ in verschiedenen Gefängnissen, ab August im Konzentrationslager Dachau.

Zahl der „Fremdarbeiter“ nimmt zu

90 spanische Arbeiter treffen zum Arbeitseinsatz in Karlsruhe ein. Die Zahl der angeworbenen und die der gezwungenen, so genannten ‚Fremdarbeiter’, und der Kriegsgefangenen nimmt in den Karlsruher Firmen zu.

Otto Hafner wird verhaftet

Der Ingenieur Otto Hafner wird verhaftet. Er hatte bis 1938 etwa 30 Jüdinnen und Juden zur illegalen Ausreise nach Frankreich verholfen und bei seinen Reisen nach Paris Schriften deutscher Emigranten nach Karlsruhe gebracht. Er wird zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Danach bleibt er in ‚Schutzhaft’.

Luftangriff fordert 73 Tote

Großer Luftangriff fordert 73 Tote und 711 Verwundete.

1942
1943

Karlsruher Kriminalpolizeistelle organisierte Deportation

Ab 24. März 1943 fand die von der Karlsruher Kriminalpolizeistelle organisierte Deportation von „Zigeunermischlingen“, „Rom-Zigeunern“ und „balkanischen Zigeunern“ nach Auschwitz für ganz Baden statt.

Auszug aus dem Schreiben der Kriminalpolizeistelle Karlsruhe vom 10. März an den „Herrn Landrat“ mit beiliegendem Fahrplan Herbolzheim – Auschwitz:
Herbolzheim ab: 24.3.43, 16:41 Uhr
Offenburg an: 17:36 Uhr
Offenburg ab: 18:30 Uhr
Karlsruhe an: 20:34 Uhr
Karlsruhe ab: 25.3.43, 06:40 Uhr
Heilbronn…

Der Zug fuhr u.a. über Hof, Dresden, Gleiwitz und kam am 27.März 1943 nach Kattowitz:
Kattowitz an: 13:49 Uhr
Kattowitz ab: 13:59 Uhr
Auschwitz: an: 15:01 Uhr

Hier endet der Fahrplan.

1944

Große Frauenkundgebung in der Festhalle zum Thema „Frauen helfen siegen!“

Große Frauenkundgebung in der Festhalle zum Thema „Frauen helfen siegen!“

Reinhold Frank wird verhaftet

Reinhold Frank, Rechtsanwalt und Strafverteidiger politisch Verfolgter, wird am Tag nach dem gescheiterten Attentatsversuch auf Hitler durch Graf v. Stauffenberg in seiner Karlsruher Wohnung verhaftet. Er gehört als „politischer Unterbeauftragter“ für Baden zum Widerstandskreis um Carl Goerdeler. Nachdem der Volksgerichtshof ihn zum Tode verurteilt hat, findet am 23. Januar 1945 die Hinrichtung in Berlin statt.

Luftangriffe auf Karlsruhe häufen sich

Ab August häufen sich die Luftangriffe auf Karlsruhe; besonders betroffen sind die Innenstadt und die Industrieanlagen.

1945

Französische Verbände besetzen die Stadt

Französische Verbände besetzen die Stadt ohne größere Widerstände durch Volkssturm, Hitlerjugend und Polizei.

Die Zeitung Der Führer wird nicht mehr zugestellt

Der Führer, seit dem 1. September 1944 einzige Zeitung, wird nicht mehr zugestellt, sondern muss in den Lebensmittelgeschäften abgeholt werden. Die letzte Ausgabe erscheint am 3. April 1945.

Einstellung des gesamten D-Zug- und Eilzugverkehrs

Einstellung des gesamten D-Zug- und Eilzugverkehrs im Raum Karlsruhe.

Prof. Albert Kessler zum 1. Vorsitzenden der VP/FDP gewählt

Bei der Gründungsversammlung der Demokratischen Partei (später VP/FDP) wird Prof. Albert Kessler zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Schlechte Stromversorgung

Die schlechte Stromversorgung erzwingt an zwei Wochentagen eine völlige Stromsperrung von 8 – 17 Uhr.

Aufhebung der Arbeitsdienstverpflichtung

Aufhebung der Arbeitsdienstverpflichtung für NSDAP-Mitglieder nach Abschluss der Trümmerräumung in den Hauptverkehrsstraßen und auf den Gehwegen.

Vereidigung der Karlsruher Volkssturmbataillone

Vereidigung der Karlsruher Volkssturmbataillone, die seit September 1944 formiert wurden.

Deutsche Pioniere sprengen die Rheinbrücke

Deutsche Pioniere sprengen die Rheinbrücke.

Deutsche Pioniere sprengen verschiedene Brücken

Deutsche Pioniere sprengen verschiedene Brücken, darunter auch die Wolfartsweierer Autobahnbrücke.

Volkssturm

Volkssturm und russische Kriegsgefangene schließen die seit Dezember 1944 zur Verteidigung errichteten Barrikaden um die Innenstadt.

Räumung der Stadt gegen den Willen der örtlichen NSDAP-Führung

Oberstleutnant Ernst Linke entschließt sich, entgegen eines Befehls, zur kampflosen Räumung der Stadt. Dadurch verhindert er – entgegen dem Willen der örtlichen NSDAP-Führung – die weitere Zerstörung von Verkehrseinrichtungen durch die Wehrmacht.

Josef Heinrich wird kommissarischen Bürgermeister

Die französischen Kräfte lassen durch deutsche Kriegsgefangene und arbeitsfähige Karlsruher die Barrikaden entfernen. Josef Heinrich wird zum kommissarischen Bürgermeister ernannt.

500 Gefangene in Fußmärschen nach Offenburg

Die französischen Kräfte setzen ehemalige NSDAP-Mitglieder in der Knielinger Kaserne fest und bringen etwa 500 Gefangene in Fußmärschen nach Offenburg, wo sie mehrere Wochen interniert bleiben.

Gauleiter Wagner befiehlt, Karlsruhe mit allen Mitteln zu verteidigen

Gauleiter Wagner befiehlt, die Stadt Karlsruhe mit allen Mitteln zu verteidigen.

Illegales Treffen von SPD-Anhängern

Illegales Treffen von SPD-Anhängern im Rathaus an der Beiertheimer Allee (heute Polizeipräsidium). Am 21. September wird Fritz Töpper zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Offizielles Kriegsende in Europa

Offizielles Kriegsende in Europa.

Bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches

Bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches.

Stadtrat wird neu zusammengesetzt

Der Stadtrat wird neu zusammengesetzt und Rechtsanwalt Dr. Hermann Veit wird der erste Karlsruher Oberbürgermeister der Nachkriegszeit.

Erste Teilstraße der Straßenbahn wieder in Betrieb

Erste Teilstrecke der Straßenbahn zwischen Weinweg und Kühler Krug wird wieder in Betrieb genommen.

Umbenennung von Straßen

Die Umbenennung von Straßen, Plätzen und Schulen wird zum größten Teil rückgängig gemacht.

Amerikanische Armee übernimmt Karlsruhe

Gemäß dem alliierten Zonenabkommen übernimmt die amerikanische Armee Karlsruhe.

Gründungsversammlung des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes Karlsruhe

In den Räumen der Bezirksverwaltung Südstadt findet illegal eine Gründungsversammlung des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes Karlsruhe statt. Auf einer offiziell genehmigten Sitzung am 27. August 1945 wird Karl Flößer zum 1. Vorsitzenden gewählt.

775 Kalorien pro Tag

Die Lebensmittelzuteilung erreicht mit 775 Kalorien pro Tag einen Tiefststand.

Hermann Veit als Oberbürgermeister eingeführt

Der Sozialdemokrat Hermann Veit wird in sein Amt als Oberbürgermeister eingeführt. Er wurde von den ehemaligen demokratischen Parteien vorgeschlagen.

Christlich-Demokratische-Partei (CDP) gegründet

Im Ständehaus wird die Vorläuferorganisation der CDU, die Christlich-Demokratische-Partei (CDP) gegründet und Adolf Kühn zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Amerikanische Militärverwaltung bildet das Land Baden-Württemberg

Die amerikanische Militärverwaltung bildet das Land Baden-Württemberg. Karlsruhe verliert seine Landeshauptstadtrolle. Die Stadtverwaltung richtet eine Beratungsstelle für rassisch und politisch Verfolgte ein.
Die Sowjetunion richtet in der Maxauer Straße 3 ein Büro zur Rückführung der russischen Zwangsarbeiter ein.

Erste öffentliche Versammlung der wieder gegründeten KPD

Die im „Hirsch“ in Daxlanden wieder gegründete KPD führt in den Rheingold-Lichtspielen eine erste öffentliche Versammlung durch. Karl Betz wird zum 1. Vorsitzenden gewählt.

1946
1947